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Nachbarland Tschechien

Von Bierpionieren und Bluesbier-Brauern

Von Bierpionieren und Bluesbier-Brauern
Im tschechischen Krompach hat ein Prager Unternehmer ein historisches Gasthaus gerettet.
Von Arndt Bretschneider und und Irmela Hennig
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Krompach.
Eigentlich ist Jan Topinka studierter Magister der Kunst und bei der Firma Praga Invest beschäftigt. Doch nebenher, so weiß man bei der Industrie- und Handelskammer Dresden, fungiert er als Gastwirt.

In Prag betreibt er ein Wirtshaus mit, so heißt es, uriger Speisegaststube. Der Name lautet kurioserweise Pivovar Krompach s.r.o. (Brauerei Krompach GmbH). Allerdings hat das Prager Wirtshaus keine Brauerei.

Vor reichlich 100 Jahren schloss der Braubetrieb

Überdies sind es von dort bis nach Krompach (Krombach) etwa 100 Kilometer. Die namensgebende Ortschaft liegt an der sächsisch-böhmischen Grenze südwestlich von Zittau.

In Krompachs Ortskern befand sich indes einst eine Brauerei. Die versorgte die südlich des Lausitzer Gebirgskammes gelegenen Dorfkneipen mit Bier, ehe sie von der finanzkräftigeren aus Böhmisch Zwickau (Cvikov) geschluckt wurde.

1907 schloss der Braubetrieb in Krompach die Pforten. Nur der Brauereiteich blieb übrig.

Doch nun soll in Krompach bald wieder Bier gebraut werden. Allerdings nicht exakt am historischen Ort, sondern gegenüber in einer Gastwirtschaft, die Topinka gerettet hat.

Brand zerstörte den ­Dachstuhl

Die Historie dazu: Ein Brand im Jahr 2012 hatte den Dachstuhl vernichtet und das massive Gebäude zur Ruine werden lassen. Doch dann kam Topinka. Vor etwa sechs Jahren beschloss er, das Gebäude zu erwerben.

Ließ es sanieren. Bringt jetzt Gastraum, Brauerei und Pension an den Start. Seit etwa zwei Monaten ist eine erste Etappe geschafft, das Wirtshaus geöffnet. Rustikal eingerichtet – ein landestypisches Lokal.

Und Ende November 2025 soll es dort das erste Hausgebräu geben, wie Steinsetzer Pavel erzählt, der sich um den Fundamentbau für die künftige Brauerei kümmert.

Und der mit Blick auf die neuen Besitzer meint: „Es ist schon ein Kuriosum, dass ein Prager eine bei ausländischen Touristen in der Altstadt der Metropole besonders beliebte Bierstube mit genau dem gleichen Namen betreibt und nun hier das Original erwirbt.“

Da eben dem Krompacher Original bislang das Namensschild fehlt, erfährt der Gast erst beim Blick in die Speisekarte, wie es heißt. Dort steht kleingedruckt und wenig überraschend: Pivovar Krompach s.r.o., also Brauerei Krompach GmbH. Früher kannte man den Gasthof als „Am Schloss“, später Tschechisch „U zamku“. Bald soll die Bezeichnung in kupfernen Lettern über dem Eingang prangen. „Es kann sich nur noch um ein paar Wochen handeln“, so Steinsetzer Pavel.

Krompach selbst gewann vor Jahrhunderten durch die uralte, nach Prag führende Leipaer Handelsstraße an Bedeutung. Insofern gibt es also die Verbindung in die Hauptstadt. Fuhrleute legten hier nach der anstrengenden Passquerung von Oybin/Hain häufig eine Übernachtung mit Pferdewechsel ein.

Auf diese Kundschaft stellte sich das Gebirgsdorf alsbald ein, und vor etwa 150 Jahren hielten in seinen drei Ortsteilen Schanzendorf, Krombach und Juliusthal (auf Tschechisch: Valy, Krompach, Juliovka) die ersten „Sommerfrischler“ Einzug. Schänken, Gastwirtschaften und Pensionen entstanden dutzendweise und brachten einen Aufschwung für die knapp 1300 Einwohner.

Mit seinen bis zu einem Meter dicken Feldstein-Außenmauern und über 450 Jahre alten, nachempfundenen Sgraffito-Resten an drei Stützpfeilern war das einstige Gasthaus „Zum Schloss“ mit dem langgestreckten Wirtshaus-Gebäude Teil dieser Erfolgsgeschichte. Vor 140 Jahren brannte der Vorgängerbau aber ab, wurde wieder hergerichtet und versah seinen Dienst bis zum erneuten Feuer vor 13 Jahren. Zu finden ist es unter der Adresse Krompach 48, 47157 Krompach, geöffnet mittwochs bis sonntags, 11 bis 23 Uhr.

Brau-Tradition auch in ­Česká Lípa belebt

Übrigens ist dies nicht das einzige Beispiel aus dem Nachbarland, wenn es um die Rettung von Brau-Tradition im Nachbarland geht. Auch aus Česká Lípa (Böhmisch Leipa), etwa 90 Autokilometer südöstlich von Dresden, lässt sich dies berichten. Die dortige Traditionsbrauerei wurde 1948 geschlossen. Das Gelände verfiel. Dann aber beschlossen Pavel Konvalina und seine Mitstreiter, zumindest das Brauwesen in ihrer Heimatstadt wiederzubeleben.

Zunächst nutzten die Männer Anlagen anderer Firmen und stellen dort Bier nach eigenen Rezepten her, so berichten sie. 2018 eröffneten sie eine Bierstube in den Räumen des einstigen Augustinerklosters im Zentrum von Česká Lípa. Nach und nach wurden Kessel, Gärtanks und weitere Utensilien angeschafft. Seit Anfang dieses Jahres sei die Technik komplett. Im Sortiment gibt es unter anderem ein Bier namens „Blues“, das einmal jährlich für die örtliche Kunstschule produziert werde.

In Střížovice (Strizowitz) im Bezirk Litoměřice hat Tomáš Nevelöš mit seiner Familie die Minibrauerei Mlýn eröffnet. 2012 hatte er die Ruine einer Wassermühle erworben. Er sanierte und fing fünf Jahre später mit dem Bierbrauen an. Heute liege seine Jahresproduktion bei etwa 400 Hektolitern, so berichtet die Zeitung Liberecký Deník. Nevelöš glaubt an die tschechische Biertradition. Auch wenn er feststellt, dass die Menschen immer weniger Gebrautes trinken.