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Sachsen

Phallus oder Uhrenturm? Süßigkeit sorgt für Aufsehen

Phallus oder Uhrenturm? Süßigkeit sorgt für Aufsehen
Eine Marketing-Aktion aus Werdau im Landkreis Zwickau beschert der Kleinstadt ungeahnte Aufmerksamkeit. Eigentlich soll das neue Schaumzucker-Souvenir das Wahrzeichen von Werdau zeigen - doch viele sehen darin etwas ganz anderes.
Von Paul Vogt
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Werdau.
Ein Penis als PR-Beigabe? Mit einem anscheinend verpatzten Schaumgummi hat es die Kleinstadt Werdau im Landkreis Zwickau nicht nur in überregionale Print- und Online-Medien geschafft, sondern sogar in die Satiresendung „Extra 3″ des Norddeutschen Rundfunks. Von einem Marketing-Fail kann man allerdings nicht sprechen, denn die Resonanz war überraschend positiv. Was ist passiert?

Vor einigen Tagen präsentierte der Bürgermeister der Stadt Werdau, Sören Kristensen (parteilos), das neue örtliche Werbegeschenk: ein pinker, fünf Zentimeter langer, nach Himbeere schmeckender Schaumgummi in Form des Wahrzeichens der Stadt – die Annoncenuhr an der August-Bebel-Straße.

Seit 1890 steht der kleine Uhrenturm nun schon im Zentrum der Stadt. Doch unter einer essbaren Annoncenuhr stellten sich viele Bürger und Internetnutzer etwas anderes vor, denn tatsächlich erinnerte sie das PR-Geschenk eher an ein erigiertes Glied.

Aus privater Tasche bezahlt

Die Ähnlichkeit zu einem Penis ist kaum abstreitbar, das erkennen so auch der Oberbürgermeister und das Stadtmarketing unter Wirtschaftsförderin Anja Kurze. Hinzu kommt, dass gleichzeitig die Aufschrift „Du bist zum Vernaschen!“ die Verpackung ziert.

Während der Planung sei nicht aufgefallen, welches Symbol der Schaumzucker auch verkörpern könnte, wie Kristensen und Kurze dem NDR erzählen. Und so hatte man nun 1000 Stück eines Uhr-Schaumzuckers in Form eines Phallus.

„Ein Marketing-Glücksfall“

Die erste Charge hatte der Bürgermeister aus eigener Tasche bezahlt. Der Grund für die Privatinvestition ist unbekannt, allerdings lief das Projekt so gut, dass die Stadt nach wenigen Tagen bereits den Kauf weiterer Chargen angekündigt hat.

Die Reaktionen auf den Penis-Schaumzucker fallen überwiegend positiv aus. Unter dem Extra-3-Video auf YouTube, das den Fall bundesweit bekannt machte, ist oft von einem gelungenen Marketing die Rede. Auch die Stadt Werdau spricht in einer Pressemitteilung auf der eigenen Website von einem „Marketing-Glücksfall“.

Werdauer Bürgerinnen und Bürger nehmen das Werbegeschenk ebenfalls gut auf. Pausenlos soll das Telefon im Rathaus geklingelt haben, wie die Freie Presse berichtete. Privatpersonen, Geschäftsleute, Zahnärzte – sie alle fragten nach dem süßen Stück.

Mit dem „Marketing-Glücksfall“ geht die Stadt Werdau sehr locker um. Mittlerweile haben die Schaumzucker-Verpackungen eine Aufschrift hinzubekommen: „Satire geprüft – Kann Spuren von Schmunzlern enthalten“.

Mit dem Penis-Schaumzucker hat die Stadt Werdau definitiv sein Ziel erreicht: Aufmerksamkeit erregen. Ob der Erfolg nun an „Sex sells“ lag oder reiner Zufall, in der Marketingbranche hält sich die Floskel: „Es gibt keine schlechte Publicity“.